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Im Café mit Voltaire

Paris, 1718. Madame Rivarol schreibt von ihrem Erlebnis mit Voltaire, welches sich zugetragen hat im Café Procobe, dem ersten Kaffeehaus der Welt. - Das Café ist Männern vorbehalten; Voltaire hatte sie eingeladen. Madame Rivarol schreibt an ihre Freundin Justine.

 

Justine, es gibt nur einen politischen Spruch, welcher die Zeit überdauern wird, und dieser entspringt dem Geiste Voltaires, welcher ihn kürzlich auf meine Serviette schrieb, als wir bei Bavaroise und Macarons zusammensaßen. Der Spruch lautet … - Doch was Sie zuvörderst wissen sollten, ist dies: Als ich mit Voltaire beisammensaß, wurde ich von dem Kellner mundtot gemacht! Ich aß meine Petit Fours, steckte mir ein Marzipanhäubchen in den Mund und fragte, etwas schmatzend, wie es um die Substanz der Macarons stehe; sie schmeckten so ausgezeichnet cremig. Ich fügte an, wie hübsch dieses Café sei, die Stühle, die Kerzen, besonders sprach ich von meinem Porzellantässchen, und dem Voltaires, und lobte und lobte, wo ich konnte. Ich war ganz außer mir, ganz italienisch, entblättert. Doch, liebe Freundin, all dies sprach ich nur in Gedanken. Der Kellner hatte mir beim ersten Worte verboten auch nur zu versuchen, ein zweites Wort zu sagen. Der Grund war, dass im selben Café ein bayrischer Prinz saß, und jener aß zur selben Zeit die Petit Fours, und wollte, wie gewöhnlich, nicht gestört werden, ja: brauchte absolute Stille. In diesem Augenblick schrieb Voltaire, welcher das Café hasste, auf den Zipfel meiner Serviette: ´Ich mag verdammen, was Sie sagen. Aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass Sie es sagen dürfen.` Dieser Spruch verjüngte mich sogleich um fünf Jahre! Freilich, an meinem Stand hat es nichts geändert. Der Prinz blieb der Prinz, die Madame die Madame. Doch Hoffnung, liebe Justine, dies gehört zur besten aller Welten. Oder es war der viele Zucker? - Voltaire zog den Kellner an den Haaren herunter, klopfte ihm dreimal auf den Rücken und schrie: ´Spucke Er ihn aus Seinen Stolz! Spucke Er ihn aus!` Und wir verließen das Café ohne einen Denier zu bezahlen. Die Münder des Kellners, des Cafébesitzers und des Prinzen standen offen - und waren köstlich anzusehen! - Es grüßt Sie schön, Madame Rivarol, welche seit dieser Szene die Aufmerksamkeit von Monsieur Rousseau hat, welcher ebenfalls im Café Procobe saß und sowohl Macarons als auch Frauen liebt. Die Fortsetzung bleibt abzuwarten.

 

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